Naturliebhaber und Familien finden am AhornSee am Ahorn in Mayrhofen im Zillertal einen besonderen Ort zum Entspannen,Spielen und Entdecken. | © Mayerhofer Bergbahnen, Wolkersdorfer
2026 ist ein besonderes Jahr für die Branche: 100 Jahre Seilbahngeschichte in Österreich treffen auf 25 Jahre Qualitätsinitiative „Beste Österreichische Sommer-Bergbahnen“ (BÖSB). Dieses Doppeljubiläum ist mehr als ein Anlass zum Feiern – es ist ein guter Moment, Bilanz zu ziehen und nach vorne zu schauen: Wo steht der Bergsommer heute? Und welches Potenzial bietet er für die nächsten Jahrzehnte?
STIMMUNGSBILD 2026 UND ZIELGRUPPENFOKUS
Aus einem einstigen „Sommer-Zubrot“ ist ein eigenständiges Geschäftsmodell geworden, das in vielen Regionen maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität beiträgt. Eine aktuelle Blitzumfrage unter den BÖSB-Mitgliedern zum Start in die Sommersaison 2026 zeigt, wie weit dieser Weg bereits beschritten wurde – und wo weitere Chancen liegen.
Die zertifizierten Sommer-Bergbahnen blicken mit überwiegend stabilen Erwartungen in die Saison 2026. Nach einer sehr zufriedenstellenden Sommersaison 2025 rechnen die meisten Betriebe mit einer Buchungslage auf Vorjahresniveau, ein relevanter Teil erwartet sogar Zuwächse. Dass ein knappes Viertel die Lage noch nicht beurteilen kann, spiegelt vor allem das geänderte Buchungsverhalten wider: Kurzfristige Entscheidungen, flexible Zeitfenster und spontane Tagesausflüge prägen den Markt.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage ein klares Bild bei der Gästestruktur: Im Zentrum stehen Familien mit Kindern, Tagesgäste und Aktivurlauber: innen. Ergänzend gewinnen Genussund Kulturformate sowie Gruppenreisen und Events an Bedeutung; internationale Märkte werden – je nach Region – wieder stärker adressiert. Familien- und Aktivangebote bilden damit das Herzstück des Sommerbergs und liefern die verlässlichste Basis für Frequenz und Gästebindung, während gut eingebundene Tagesgäste und profilierte Genussangebote die Erlösstruktur verbreitern. Zielgruppenfokus ist damit kein „weiches“ Marketingthema, sondern eine zentrale betriebswirtschaftliche Stellschraube in einem Umfeld steigender Kosten und hoher Investitionsvolumina.
Die Blitzumfrage macht auch deutlich, welche Kräfte den Bergsommer derzeit tragen. Im Zentrum stehen Naturerlebnis und Entschleunigung: Gäste suchen Bewegung in der frischen Luft, Weite, Ruhe und gemeinsame Erlebnisse – vom Themenweg bis zur inszenierten Familienerlebniswelt. Zugleich wird der Berg immer stärker als „Sommerfrische statt Hitze“ wahrgenommen. Viele Destinationen berichten von Gästen, die gezielt der Hitze im Tal entfliehen, kurzfristig in Österreich buchen und verlängerte Wochenenden oder Tagesausflüge nutzen.
Digitalisierung spielt in diesem Kontext eine klar definierte Rolle: Online-Tickets, Webshops, digitale Erlebniswege oder Informations-Apps sind für viele Betriebe zum Standard geworden, aber nicht der Kern des Produkts. Die Bühne bleibt der reale Berg. Digitale Lösungen fungieren als Serviceverstärker und erleichtern Planung, Buchung und Information. Ergänzend setzt sich der Ganzjahresgedanke als strategischer Rahmen durch. Frühling und Herbst werden zunehmend genutzt, um Angebote jenseits der klassischen Ferienwochen zu entwickeln und die Infrastruktur wirtschaftlich besser auszulasten.
NACHHALTIGKEIT ALS QUALITÄTSVERSPRECHEN UND AKZEPTANZFAKTOR
Nachhaltigkeit ist im Gütesiegel „Beste Österreichische Sommer-Bergbahnen“ seit Jahren als zentrale Qualitätsdimension verankert und entwickelt sich zunehmend vom Einzelprojekt zum strategischen Narrativ der Destination. Die aktuelle Umfrage zeigt: Viele Mitgliedsbetriebe setzen weiterhin konkrete Maßnahmen in den Bereichen Energie und Ressourcenschonung um – von Photovoltaik und Eigenstromnutzung über Wasserkraft bis zu Effizienzsteigerungen im laufenden Betrieb. Ergänzend entstehen Projekte in Naturschutz, Biodiversität, Abfallmanagement und Barrierefreiheit, die den regionalen Mehrwert des Sommertourismus sichtbar machen.
Besonders deutlich wird, dass Nachhaltigkeit immer häufiger dort ansetzt, wo Gäste Entscheidungen treffen: bei der Anreise und beim Verhalten am Berg. Mit der Mobilitätskooperation „Eins für Berg und Tal“ in Zusammenarbeit mit dem KlimaTicket Österreich wird die klimafreundliche An reise strukturiert gestärkt. Besitzer:innen dieses Tickets erhalten zehn Prozent Rabatt auf die Berg- und Talfahrt bei 52 teilnehmenden BÖSB-Betrieben. Parallel dazu vermittelt die Gipfelcharta als gemeinsamer Verhaltenskodex ein achtsames Miteinander von Mensch, Natur und Tierwelt – von Hinweisen an der Kassa bis zu digitalen Kanälen. Nachhaltigkeit wird so schrittweise vom Einzelprojekt zum erlebbaren Bestandteil des Qualitätsversprechens am Berg und trägt wesentlich zur Akzeptanz des Tourismus in den Regionen bei.
25 JAHRE BÖSB: QUALITÄTSINITIATIVE ALS ENTWICKLUNGSPLATTFORM
Das Gütesiegel „Beste Österreichische Sommer-Bergbahnen“ wurde 2001 vom Fachverband der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich gegründet, um den Bergsommer strategisch zu stärken. Heute vereint die Initiative 82 zertifizierte Mitglieder mit 100 Themenbergen. Zertifiziert werden nur Betriebe, die mindestens 100 Qualitätskriterien erfüllen und sich auf mindestens eine Themenwelt – Familie, Abenteuer, Panorama & Naturerlebnis, Genuss oder Kunst & Kultur – spezialisieren. Alle drei Jahre erfolgt eine Rezertifizierung mit Fokus auf Weiterentwicklung, neue Anforderungen und Marktveränderungen.
Für Seilbahnunternehmen, die den Sommer als Zukunftschance verstehen, ist die Qualitätsinitiative damit mehr als ein Gütesiegel: Sie bietet einen klaren Orientierungsrahmen für Investitionsentscheidungen, zeigt durch den Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern, welche Angebotstypen in der Praxis funktionieren, und unterstützt Betriebe dabei, den Bergsommer gezielt zum Wirtschaftsmotor und Stabilitätsfaktor in der Jahresbilanz zu entwickeln.
Die aktuelle Umfrage der „Besten Österreichischen Sommer- Bergbahnen“ zeigt: Dort, wo Seilbahnen konsequent in profilierte Sommerangebote investieren, profitieren Betriebe und Regionen gleichermaßen – durch bessere Auslastung, gesicherte Arbeitsplätze, höhere Wertschöpfung und eine stärkere Verankerung im Ganzjahrestourismus. Wer heute den Sommer als eigenständiges Geschäftsmodell versteht, arbeitet nicht nur an einer guten Saison, sondern am Geschäftsmodell der nächsten Jahrzehnte.
Weitere Informationen zur Qualitätsinitiative und zu allen zertifizierten Themenbergen finden Sie unter www.sommer-bergbahnen.at.
