Südfassade des Bergrestaurants Matterhorn Glacier Paradise mit PV-Modulen. | © Zermatt Bergbahnen
Die Zermatt Bergbahnen AG hat über einen Zeitraum von 20 Jahren durchschnittlich eine Million Schweizer Franken jährlich in die Beseitigung früherer Umweltschäden investiert. Grundlage dafür war ein Schadeninventar, das das Unternehmen 2002 im Zuge des Neubaus des Matterhorn-Express erstellen ließ. Bis 2022 wurden sämtliche darin erfassten Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt.
Das Projekt entstand vor dem Hintergrund jahrzehntelanger Bautätigkeit. Seit der Erschließung des Schwarzsees 1956/1957 waren zahlreiche Seilbahnanlagen und weitere Infrastruktureinrichtungen entstanden. Umwelt- und Naturschutz spielten bei früheren Bauvorhaben allerdings eine deutlich geringere Rolle als heute.
Systematische Erfassung früherer Umweltschäden
Mit dem Bau der ersten beiden Abschnitte des Matterhorn-Express im Jahr 2002 entschied sich das Unternehmen für eine umfassende Bestandsaufnahme. Da die Zermatt Bergbahnen erst kurz zuvor aus mehreren Betreibergesellschaften hervorgegangen waren, fehlte eine gemeinsame Dokumentation früherer Baumaßnahmen und ihrer Auswirkungen auf die Natur.
Drei beauftragte Umwelt-Ingenieurbüros untersuchten daraufhin das gesamte Gebiet und dokumentierten die Schäden aus 46 Jahren Bautätigkeit. Für die betroffenen Flächen wurden geeignete Wiederherstellungs- und Ersatzmaßnahmen entwickelt.
Die Umsetzung erfolgte schrittweise über zwei Jahrzehnte. Dabei kam ein Punktesystem zum Einsatz, mit dem sowohl die Umweltauswirkungen neuer Bauprojekte als auch der ökologische Nutzen der Renaturierungsmaßnahmen bewertet wurden. Dadurch konnten Eingriffe und Ausgleichsmaßnahmen einander zugeordnet werden. Wenn möglich, erfolgte die Wiederherstellung im unmittelbaren Umfeld der jeweiligen Baustelle.
Das Verfahren wurde später auch von der Gemeinde Zermatt übernommen. Sie erstellte ein eigenes Schadeninventar und richtete einen Fonds ein, über den öffentliche Bauherrschaften Ersatzmaßnahmen finanzieren können.
Renaturierung des Gletschervorfelds Stafel
Nachdem das ursprüngliche Schadeninventar der Zermatt Bergbahnen 2022 vollständig abgearbeitet war, griff das Unternehmen bei weiteren Infrastrukturprojekten auf das Inventar der Gemeinde zurück.
Im Zusammenhang mit dem Bau der Gondelbahn Kumme sowie der Sanierung und Erweiterung der Beschneiungsanlagen wurde das Gletschervorfeld Stafel renaturiert. Der nach dem Bewertungssystem ermittelte ökologische Nutzen überstieg dabei die errechneten Auswirkungen der Bauprojekte.
„Wir haben damals gesagt, wir machen grad das ganze Stafelvorfeld. Es macht ja keinen Sinn, da später noch einmal anzurücken“, erklärt Toni Lauber, der als damaliger Bereichsleiter Bau für das Schadeninventar verantwortlich war.
Der überschüssige ökologische Ausgleich kann nach dem angewandten System bei künftigen Bauvorhaben angerechnet werden.
Pilotprojekt zur Hochlagenbegrünung ausgezeichnet
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Wiederbegrünung hochalpiner Flächen. Gemeinsam mit dem Unternehmen Schutz Filisur untersuchten die Zermatt Bergbahnen in einem Pilotprojekt unterschiedliche Methoden zur Wiederherstellung der Vegetation.
Auf drei Versuchsflächen wurden lokale Rasenziegel eingesetzt, standortspezifische Samen ausgebracht beziehungsweise die natürliche Wiederbesiedlung ohne Eingriffe beobachtet. Die Entwicklung der Vegetation wurde jährlich kontrolliert.
Besondere Bedeutung hatte die Verwendung gebietstypischer Pflanzenarten. „In Zermatt gibt es Pflanzengattungen, die nur gebietsspezifisch vorkommen. Manche gibt es nur am Rothorn, andere nur am Schwarzsee und wieder andere nur auf dem Gornergrat. Die dürfen nicht vermischt werden, sonst gibt es ortsfremden Bewuchs, und das muss unbedingt vermieden werden“, erläutert Lauber.
Für das Projekt erhielten die Zermatt Bergbahnen 2013 den Begrünerpreis der Arbeitsgruppe Hochlagenbegrünung (AGHB) des Vereins für Ingenieurbiologie.
Energieeffizienz und Nachhaltigkeitszertifizierung
Neben der Renaturierung setzte das Unternehmen auch bei der Gebäudeinfrastruktur auf Energieeffizienz. Das 2009 eröffnete Restaurant Matterhorn Glacier Paradise auf knapp 4.000 Metern Höhe wurde nach dem Schweizer Gebäudestandard MINERGIE-P errichtet, der besonders hohe Anforderungen an die Energieeffizienz stellt.
Die Photovoltaikanlage an der Südfassade des Bergrestaurants wurde 2010 mit dem Schweizerischen und dem Europäischen Solarpreis ausgezeichnet.
Aktuell arbeiten die Zermatt Bergbahnen an der Rezertifizierung ihres Nachhaltigkeitslabels TourCert. Dafür hat das Unternehmen seine bisherigen Nachhaltigkeitsmaßnahmen zusammengefasst und einen Bericht erstellt, der ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt.
