Die kontinuierliche Datenerfassung soll Betreibern ermöglichen, Veränderungen an Bauteilen frühzeitig zu erkennen. | © Tokbo
Das italienische Deep-Tech-Unternehmen Tokbo erweitert seine Lösungen für die Zustandsüberwachung von Seilbahnen. Der neue Smart Washer wird an Befestigungselementen eingesetzt und kann mit einem Gerät bis zu fünf Parameter erfassen: Spannkraft, Neigung, Temperatur, Beschleunigung und Vibrationen.
Die kontinuierliche Datenerfassung soll Betreibern ermöglichen, Veränderungen an Bauteilen frühzeitig zu erkennen. Statt Wartungsmaßnahmen ausschließlich nach vorgegebenen Intervallen durchzuführen, können damit zunehmend auch der tatsächliche Zustand einer Komponente und auffällige Messwerte berücksichtigt werden.
Gerade bei Seilbahnen ist dieser Ansatz relevant: Stützen und andere Komponenten sind dauerhaft wechselnden Belastungen durch Wind, Schnee, Temperaturschwankungen und den laufenden Betrieb ausgesetzt.
Nachrüstung bestehender Anlagen möglich
Ein wesentlicher Aspekt der Entwicklung ist ihre breite Einsetzbarkeit. Laut Tokbo lässt sich der Smart Washer nicht nur mit herkömmlichen Schraubverbindungen kombinieren, sondern unter anderem auch an bereits in Beton eingelassenen Bolzen, Vorspannsystemen und Dywidag-Stäben einsetzen.
Damit richtet sich die Technologie sowohl an Neubauprojekte als auch an bestehende Seilbahninfrastruktur. Größere bauliche Eingriffe sollen für die Installation nicht erforderlich sein.
Die möglichen Anwendungen reichen von der Überwachung der Neigung von Seilbahnstützen bis zur Zustandskontrolle von Getriebemotoren und Seilumlenkrollen. Auch Stützmauern und Schutzbarrieren können in das Monitoring einbezogen werden.
Anomalien sollen automatisch gemeldet werden
Die erfassten Werte werden in Telemetriedaten umgewandelt und können aus der Ferne überwacht werden. Werden ungewöhnliche Veränderungen festgestellt, kann das System automatische Benachrichtigungen auslösen. Für Betreiber ist das insbesondere bei Komponenten interessant, die aufgrund ihrer Lage nur mit größerem Aufwand regelmäßig kontrolliert werden können.
Ziel ist eine stärker vorausschauende Instandhaltung: Auffälligkeiten sollen erkannt werden, bevor daraus kritische Zustände oder ungeplante Ausfälle entstehen. Gleichzeitig können Wartungseinsätze gezielter geplant und Betriebskosten optimiert werden.
Erste Anwendungen im Seilbahnbereich
Tokbo ist mit seiner Überwachungstechnologie bereits im Bergbahnsektor aktiv. Nach Angaben des Unternehmens sind derzeit mehr als fünf entsprechend ausgestattete Seilbahnen in Betrieb; eine vergleichbare Zahl befindet sich an verschiedenen Standorten in Italien in Umsetzung.
Mit dem Smart Washer baut das zur Agrati-Gruppe gehörende und bei ANEF vertretene Unternehmen diesen Ansatz weiter aus. Die Entwicklung zeigt zugleich einen grundsätzlichen Trend in der Seilbahninstandhaltung: Neben regelmäßigen Inspektionen gewinnt die kontinuierliche Erfassung und Auswertung von Zustandsdaten zunehmend an Bedeutung.
