Der Schweizer Bergungsspezialist Immoos, seit Jahrzehnten auf Seilbahn-Evakuierungssysteme spezialisiert, hat ein neues Doppellaufwerk DL1 konzipiert. | © https://jacopobernard.com/ / Doppelmayer
Die neue 3S-Bahn Campitello–Col Rodella im Fassatal stellt nicht nur hohe Anforderungen an Förderleistung und Betriebssicherheit, sondern auch an das Evakuierungskonzept. Auf rund 1.100 Metern Streckenlänge ist ein vertikales Abseilen der Fahrgäste aufgrund von Steinschlag- und Lawinengefahr nicht zulässig. Für diesen Abschnitt musste eine alternative Rettungslösung entwickelt werden.
Der Schweizer Bergungsspezialist Immoos, seit Jahrzehnten auf Seilbahn-Evakuierungssysteme spezialisiert, hat dafür ein neues Doppellaufwerk DL1 konzipiert. Das System ermöglicht die Rettung entlang der Tragseile – inklusive Überfahren mehrerer Seilreiter, ohne Umsetzen oder Unterbrechung des Einsatzes.
Evakuierung entlang der Tragseile
Die 3S-Bahn ersetzt eine rund 40 Jahre alte Pendelbahn und transportiert bis zu 2.800 Personen pro Stunde über eine Streckenlänge von 2.571 Metern. Ein Teil der Trasse verläuft durch hochalpines Gelände mit besonderen Naturgefahren. Dadurch ist die klassische Bodenrettung in diesem Abschnitt ausgeschlossen.
Das neu entwickelte DL1 nutzt beide Tragseile gleichzeitig. Eine trapezförmige Aufhängung positioniert die Rettungstraverse etwa drei Meter unterhalb der Seile, sodass Seilreiter überfahren werden können. Das System wird über eine elektrische 400-Volt-Keilscheibenwinde bewegt. Pro Einsatzzyklus können ein Retter und zwei Gäste transportiert werden.
Damit reagiert das Unternehmen auf die steigenden Anforderungen moderner 3S-Anlagen, insbesondere im winterlichen Hochgebirge.
Weiterentwicklung der Seilbahnbergung
Immoos ist seit 1997 in der Bergungstechnik für Seilbahnen tätig. Mit dem selbstfahrenden Seilfahrgerät SS1, das weltweit über 3.000 Mal im Einsatz ist, hat das Unternehmen bereits eine eigenständige Lösung für Arbeiten und Rettungen auf Tragseilen etabliert. Das neue Doppellaufwerk erweitert das Portfolio nun gezielt für komplexe 3S-Konfigurationen.
Gerade bei Dreiseilumlaufbahnen mit langen Spannfeldern und exponierter Lage gewinnen spezialisierte Evakuierungssysteme an Bedeutung. Das Projekt am Col Rodella gilt daher als Referenzfall für künftige Anlagen in vergleichbarem Gelände.
Italien als Wachstumsmarkt
Parallel dazu baut Immoos seine Marktpräsenz in Italien aus. Daniel Bui-Moosbrugger betreut seit rund einem Jahr den italienischen Markt regional und war gemeinsam mit CEO Florian Immoos in das Projekt Col Rodella eingebunden. Ziel ist eine engere technische Betreuung vor Ort – insbesondere bei komplexen Neubauten.
Mit dem DL1 positioniert sich Immoos im wachsenden Segment hochspezialisierter Evakuierungslösungen für 3S-Systeme – ein Bereich, der mit zunehmender Leistungsfähigkeit und Streckenführung moderner Anlagen weiter an Bedeutung gewinnen dürfte.
