Areal des Seilbahnkompetenzzentrums der Landesberufsschule Hallein | © Alois Innerhofer
Text von Alois Innenhofer
Als Vortragender, Lehrer und Prüfungsvorsitzender in nahezu allen Ausbildungsbereichen kenne ich die jeweiligen Lehrinhalte sowie die Anforderungen an die Ausbildung aus eigener Erfahrung. In den vergangenen Jahren konnte ich dadurch einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Ausbildungswege und deren Bedeutung für die Praxis gewinnen. Im Folgenden ein Überblick über die aktuellen Ausbildungsangebote.
Betriebsleiter-Ausbildung
Die gesamtösterreichische Betriebsleiterausbildung wurde erstmals Ende der 1970er-Jahre in Tirol ins Leben gerufen. Bereits der erste Ausbildungskurs stieß auf großes Interesse und war mit mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr gut besucht.
Nach entsprechenden Abstimmungen mit der Obersten Seilbahnbehörde im Verkehrsministerium entwickelte sich die Ausbildung zu einem fixen und wichtigen Bestandteil der österreichischen Seilbahnausbildung.
Die Betriebsleiterausbildung besteht aus drei Teilen und wird vom Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer Tirol (WIFI) angeboten. Mit rund 300 Lehreinheiten ist sie sehr umfangreich und vermittelt die fachspezifischen Kenntnisse und Kompetenzen, die für die verantwortungsvolle Tätigkeit als Seilbahnbetriebsleiterin bzw. Seilbahnbetriebsleiter erforderlich sind.
Der Betriebsleiterkurs Teil I schließt mit einer schriftlichen Prüfung ab und berechtigt nach positivem Abschluss zur Teilnahme am Betriebsleiterkurs Teil II. Die Abschlussprüfung für den Betriebsleiterkurs Teil II besteht aus einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung, die vor einer Prüfungskommission abgelegt wird. Die Abschlussprüfung für Betriebsleiterkurs Teil III umfasst eine fachtechnische Prüfung vor Vertreterinnen und Vertretern des zuständigen Bundesministeriums.
Nach dem positiven Abschluss der Prüfungsteile ist für die Bestellung zur Betriebsleitung zusätzlich eine anlagenspezifische Schulung im Seilbahnkompetenzzentrum Hallein direkt bei den jeweiligen Seilbahnanlagen zu absolvieren. Erst danach kann bei der zuständigen Seilbahnbehörde um die Genehmigung zur Ausübung der Betriebsleitertätigkeit angesucht werden.
Lehrberuf Seilbahntechnik
Ein Meilenstein in der Ausbildung der österreichischen Seilbahnwirtschaft war die Einführung des Lehrberufs Seilbahntechnik.
Vor rund 20 Jahren entschloss sich die österreichische Seilbahnwirtschaft, diesen Lehrberuf ins Leben zu rufen. Im Mittelpunkt stand dabei die weitere Steigerung des bereits hohen Sicherheitsniveaus – sowohl für die Gäste als auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit einer fundierten und branchenspezifischen Berufsausbildung sollte ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit und Professionalität in den Seilbahnbetrieben geleistet werden.
Gleichzeitig sollten sich auch aus wirtschaftlicher Sicht Vorteile für die einzelnen Unternehmen ergeben. Seilbahntechnikerinnen und Seilbahntechniker werden gezielt auf die besonderen Anforderungen und Bedürfnisse der Seilbahnbranche vorbereitet und erwerben jene Fachkenntnisse, die für den sicheren und effizienten täglichen Betrieb erforderlich sind.
Nachdem der Rahmenlehrplan festgelegt worden war, konnte die Ausbildung im Jahr 2008 gestartet werden. Der Lehrberuf umfasst eine Ausbildungszeit von dreieinhalb Jahren und wird im dualen Ausbildungssystem durchgeführt – also in einer Kombination aus praktischer Ausbildung im Betrieb und theoretischer Ausbildung in der Berufsschule. Der große Erfolg dieser Lehrausbildung führte dazu, dass sich im Jahr 2014 auch deutsche und Südtiroler Seilbahnunternehmen dazu entschlossen haben, Lehrlinge auszubilden. Diese besuchen gemeinsam mit den österreichischen Lehrlingen das Seilbahnkompetenzzentrum in Hallein. (Das Ausbildungskonzept für Seilbahnbedienstete ist in der Schweiz ähnlich aufgebaut wie in Österreich, siehe Kasten auf S. 28).
Ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung ist die umfangreiche Lehrabschlussprüfung, die von allen Lehrlingen im Seilbahnkompetenzzentrum vor einer Prüfungskommission abgelegt wird. Seit dem Start der Ausbildung im Jahr 2008 haben bereits mehr als 1.000 Kandidatinnen und Kandidaten die Prüfung erfolgreich abgeschlossen und die Facharbeiterqualifikation erworben. Seit 2018 besteht außerdem die Möglichkeit einer Doppellehre in Seilbahntechnik und Elektrotechnik. Damit können die Lehrlinge ihre fachlichen Kompetenzen erweitern und sich zusätzlich umfassende Kenntnisse im Bereich der Elektrotechnik aneignen.
HTL-Lehrgang Seilbahn- und Beförderungstechnik
Nachdem im Jahr 2011 die ersten Lehrlinge ihre Ausbildung zum Seilbahntechniker erfolgreich abgeschlossen hatten, stellte sich für viele engagierte Absolventinnen und Absolventen die Frage, ob es für diesen facheinschlägigen Beruf auch eine weiterführende Ausbildungsmöglichkeit gibt. Eine solche Möglichkeit bietet der HTL-Lehrgang Seilbahn und Beförderungstechnik an der HTL Hallein. Ein besonderer Vorteil dieses Lehrgangs ist die komprimierte Unterrichtsform, die speziell auf die Bedürfnisse von Berufstätigen abgestimmt ist. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird dabei ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Eigenverantwortung erwartet. Ein Teil des umfangreichen Unterrichtsstoffs muss im Rahmen der Fernlehre eigenständig erarbeitet und vorbereitet werden. Der Präsenzunterricht findet in geblockter Form statt. Über einen Zeitraum von drei Jahren gibt es in jedem Semester einen achtwöchigen Unterrichtsblock mit Anwesenheitspflicht. Diese Organisationsform ermöglicht es insbesondere Berufstätigen, die Ausbildung parallel zu ihrer beruflichen Tätigkeit zu absolvieren.
Da der HTL-Lehrgang schulautonom geführt wird, fallen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer keine Ausbildungskosten an. Den Abschluss bildet die Reife- und Diplomprüfung, mit der eine umfassende technische Ausbildung auf höherem Niveau abgeschlossen wird. Nach Absolvierung der erforderlichen einschlägigen Berufspraxis sind die Absolventinnen und Absolventen zudem berechtigt, die Standesbezeichnung Ingenieurin bzw. Ingenieur zu führen.
Seilbahnmaschinist
Mit dem Personalerlass 2000 wurde von der Obersten Seilbahnbehörde der Maschinistenkurs als verbindliche Voraussetzung für die Ausübung der Maschinistentätigkeit eingeführt. Damit wurde ein einheitlicher Ausbildungsstandard geschaffen, der den besonderen technischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen dieser verantwortungsvollen Tätigkeit Rechnung trägt.
Die Ausbildung umfasst einen einwöchigen Kurs und schließt mit einer schriftlichen Prüfung ab. Für eine positive Beurteilung müssen in jedem Prüfungsfach mindestens 70 % der maximal möglichen Punkte erreicht werden. Die Ausbildung zum Seilbahnmaschinisten zählt zweifelsohne zu den am stärksten nachgefragten Ausbildungen innerhalb der Seilbahnbranche. Bereits mehr als 8.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben diese Ausbildung erfolgreich absolviert.
Lehrgang Grundlagen der Seilbahnwirtschaft
Die Vorarlberg University of Applied Sciences (FHV) und Schloss Hofen bieten bereits seit dem Jahr 2012 in Kooperation mit der Doppelmayr-Gruppe ein akademisches Weiterbildungsprogramm für die Seilbahnwirtschaft an.
Der Hochschullehrgang wurde gemeinsam mit ausgewiesenen Spezialistinnen und Spezialisten aus der gesamten deutschsprachigen Seilbahnbranche, Expertinnen und Experten der Doppelmayr-Gruppe sowie Professorinnen und Professoren der FH Vorarlberg entwickelt. Dadurch verbindet die Ausbildung wissenschaftliche Grundlagen mit langjähriger praktischer Erfahrung und branchenspezifischem Know-how. Der Hochschullehrgang richtet sich insbesondere an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unternehmen und Institutionen der Seilbahnwirtschaft. Darüber hinaus steht er auch Personen offen, die im Umfeld der Seilbahnbranche tätig sind oder sich für diese Branche interessieren und gezielt die erforderlichen fachlichen und branchenspezifischen Kenntnisse erwerben möchten.
Ergänzende Weiterbildungen in der Seilbahnakademie
Neben den technischen und fachspezifischen Ausbildungen bietet die Seilbahnakademie des Fachverbandes der österreichischen Seilbahnen ein umfangreiches Programm an ergänzenden Weiterbildungen an. Das Angebot geht dabei weit über die klassischen technischen Themen hinaus und umfasst unter anderem Pistenrecht, Lohnverrechnung, Telekommunikation sowie Seminare für Führungskräfte und viele weitere Themenbereiche.
Diese vielfältigen Weiterbildungsangebote stellen einen wichtigen Bestandteil der beruflichen Qualifikation innerhalb der Seilbahnwirtschaft dar. Sie tragen dazu bei, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die verantwortungsvolle Funktionen übernehmen, über umfassende technische, rechtliche und betriebliche Kenntnisse verfügen und auf ihre besondere Verantwortung für einen sicheren und ordnungsgemäßen Seilbahnbetrieb vorbereitet sind.
Genauere Informationen zum aktuellen Weiterbildungsangebot finden Sie unter: www.karriereamberg.at
