Kabine Nr. 3 mit der Stütze Nr. 8 bei der Bergstation. | © Roman Gric
Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurden am Hauser Kaibling Wanderwege für Sommergäste errichtet. Angesichts des wachsenden Wintertourismus wurde deutlich, dass diese Situation auch neue technische Hilfsmittel für den Transport in die Berge erforderte. Eine Pionierrolle bei der touristischen Erschließung des Hauser Kaiblings spielte Thomas Scharfetter, der ab 1927 gemeinsam mit seiner Frau die historische Krummholzhütte auf dem Hauser Kaibling betrieben hat. Bereits 1947 errichtete er hier die erste Materialseilbahn, die 1950 durch eine Personenseilbahn ersetzt wurde. Sie bestand aus zwei kleinen Leichtmetallkabinen für jeweils vier Personen und galt weit über das Ennstal hinaus als Neuheit. Für den Bau dieser über 3 km langen Seilbahn musste mehrere Wochen lang Baumaterial mit der Materialseilbahn transportiert werden. Der mit erheblichen körperlichen Anstrengungen errichtete Bau der Stützen und ihrer Fundamente stellte damals eine besondere Herausforderung dar.
Pendelbahn Baujahr 1960
Das Interesse an der damals längsten Seilbahn in der Region war enorm. Deshalb wurde sie bereits 1960 komplett er neuert bzw. neu gebaut: neue Stützen, Seile, Kabinen sowie die Bauwerke der Berg- und Talstation. Um die Förderleistung zu erhöhen, wurde der Kabinenfassungsraum auf acht Personen erhöht und in der Trassenmitte wurde eine Mittelstation errichtet. Seitdem ist die Bahn mit vier Kabinen auf einem gemeinsamen Zugseil in Betrieb. In der unteren Teilstrecke fahren die Kabinen Nr. 1 und 2, in der oberen die Kabinen Nr. 3 und 4. In der Mittelstation muss man für die Fortsetzung der Fahrt stets in die andere Kabine umsteigen. Die Mittelstation hatte auch für die Skifahrer eine wichtige Funktion, wenn in den unteren Partien nicht mehr genügend Schnee lag. Der Antrieb befindet sich in der Bergstation, die Tragseile und das Zugseil sind in der Talstation gespannt. Alle vier Fahrzeuge sind mit der Zugseilschleife mittels Klemmen verbunden. Obwohl die Förderleistung durch den Umbau auf 80 P/h erhöht wurde, mussten an Wochenenden zusätzlich mehrere Dutzend VW-Busse eingesetzt werden, um die Skifahrer zur Mittelstation zu bringen. Diese Bahn erschloss zunächst vor allem die historische Krummholzhütte. Heute befindet sich an ihrer Bergstation der Berggasthof Scharfetter, während die Krummholzhütte nur wenige Gehminuten entfernt liegt.
Besonderheiten des Betriebs
Entsprechend der historischen Bauweise werden die Kabinentüren auch heute noch ausschließlich manuell geöffnet und geschlossen. Dafür sind Mitarbeiter in der Tal-, Mittelund Bergstation eingesetzt, die in der Tal- und Bergstation zudem den Fahrkartenverkauf übernehmen. Um alle vier Fahrzeuge zu den Revisionen zu bringen, kann die Bahn auch als klassische Zweiwagen-Pendelbahn betrieben werden. Zu diesem Zweck werden die Bahnsteige und Kabinenführungen in der Mittelstation seitlich nach links und rechts außen aus den beiden Fahrbahnen verschoben. Die Kabinen (Nr. 1 und 4 oder Nr. 2 und 3) fahren dann durch die unbesetzte Mittelstation.
Entlastung durch moderne Seilbahnen
Die historische Bahn muss seit Anfang der 1980er-Jahre keine Massenströme mehr bewältigen. Im Jahr 1981 wurde von Haus im Ennstal die Hauser Kaibling-Seilbahn gebaut, eine Umlaufbahn mit 4er-Kabinen, die wieder 2000 durch eine 8er-Kabinenbahn ersetzt wurde. Die Schlepplifte Richtung Krummholzhütte wurden im Jahr 2003 durch eine 6er- Sesselbahn ersetzt, bis schließlich 2024 die 8er-Sesselbahn Kaiblinggrat eröffnet wurde (siehe ISR 2/2026, S. 14–16). So übernehmen die leistungsstarken Seilbahnen den Haupttransport der Skifahrer und die Schladminger-Tauern-Seilbahn kann weiterhin als erhaltenswertes Unikat betrieben werden.
Konzessionsverlängerung
Bei der Modernisierung wurde bewusst darauf verzichtet, die Bahn auf automatische Türen oder moderne Seilbahnkabinen umzurüsten. Die vier bunten, ikonischen Kabinen blieben im Originalzustand erhalten. Im Gegensatz zu modernen Umlaufbahnen gilt die robuste, mechanische Bauweise der historischen Pendelbahn als äußerst langlebig. Voraussetzung für die Konzessionsverlängerung war die ständige Besetzung der Anlage mit qualifiziertem Personal. Da die Kabinentüren bis heute manuell per Hand geöffnet und verriegelt werden müssen, verlangt die Behörde im täglichen Betrieb dauerhaft präsentes Personal an den Stationen. Obwohl das unverkennbare „Nostalgie- Gefühl“ und der Charme der 1960er-Jahre bewusst beibehalten wurden, fanden im Hintergrund technische Verbesserungen statt, um die aktuellen EU-Sicherheitsstandards für Seilbahnen zu erfüllen. Aus diesem Grund wurden die Kernkomponenten der Bahn im Jahr 2024 umfassend modernisiert. Erneuert wurden vor allem die elektrotechnischen Steuerungsanlagen im Maschinenraum, die Bremsen sowie die Seilführungskomponenten. Der bisherige 60-kW-Gleichstrommotor des Hauptantriebes wurde durch einen neuen 80-kW-Wechselstrommotor ersetzt. Auch der zulässige Wagenfassungsraum wurde an die heutigen Rahmenbedingungen angepasst. So können jetzt sechs statt bisher acht Personen pro Wagen befördert werden. Dadurch sank die Förderleistung auf 60 P/h.
Mit all diesen Maßnahmen wurde sichergestellt, dass Wander- und Berghausgäste im Sommer wie im Winter noch jahrelang das gemütliche Schweben mit der historischen Seilbahn genießen können.
