Der obere Trassenabschnitt der 8er-Sesselbahn „Eibergbahn“ | © Radim Polcer
Autoren: Radim Polcer/Roman Gric
Scheffau am Wilden Kaiser ist einer der neun Orte des Skigebiets SkiWelt Wilder Kaiser – Brixental (Brixen im Thale, Ellmau, Going, Hopfgarten, Itter, Scheffau, Söll, Westendorf und Kirchberg), das 1977 durch den Zusammenschluss von eigenständigen Bergbahnunternehmen entstanden ist. Es entwickelte sich mit 275 Pisten-km und 83 Seilbahnen nach Ski Arlberg zum zweitgrößten zusammenhängenden Skigebiet Österreichs.
Skigebiet mit langer Geschichte
Die ersten Seilbahnanlagen der Bergbahnen Scheffau waren im Jahr 1972 zwei aufeinanderfolgende Doppelsesselbahnen, die Brandstadlbahn 1 und 2 (im Jahr 2002 durch eine 8er-Kabinenbahn mit Mittelstation ersetzt), ergänzt im Jahr 1984 durch die 3.255 m lange 4er-Kabinenbahn Brandstadlbahn der Firma Doppelmayr. In den folgenden Jahren wurden in Scheffau vor allem 4er-Sesselbahnen gebaut. Für die stark frequentierten Pisten von Eiberg war eine besonders hohe Förderleistung erforderlich. Um für die Verhältnisse der frühen 1990er-Jahre eine außergewöhnlich hohe Förderleistung von 4.800 P/h zu erreichen, wurden hier auf gemeinsamen Stützen zwei parallele, fixgeklemmte 4er-Sesselbahnen, die Eibergbahn 1 und 2 gebaut. Diese Lösung war notwendig, weil es damals noch keine leistungsstarken 8er-Sesselbahnen gab. Neben der Erzielung einer so hohen Förderleistung ergab diese Lösung auch eine Vergrößerung der Pistenfläche. Zwei parallele Seilbahnen mit gemeinsamen Stützen, ob mit zwei Einsessel-, Doppelsessel- oder Vierersesselbahnen, gab es früher in einigen wenigen Skigebieten. Die letzte derartige Anlage mit zwei Doppelsesselbahnen gibt es in Europa noch im Skigebiet Krvavec in Slowenien, weitere Anlagen dieser Art sind in den USA, Japan und Südkorea zu finden.
In Scheffau begann in den 2010er-Jahren eine umfassende Modernisierungswelle mit 8er-Sesselbahnen. Die Eibergbahnen 1 und 2 gehörten nicht nur zu den meistfrequentierten Anlagen der Skiwelt, sie erfüllten zudem eine wichtige Verbindungsfunktion. Sie waren auch energieeffizient – bei Bedarf konnte eine der beiden Bahnen jederzeit außer Betrieb genommen werden. Jedes Jahr nutzten rund 1,3 Mio. Skifahrer die Eibergbahnen 1 und 2, sodass sie nach 32 Betriebsjahren beeindruckende 43 Mio. Fahrten verzeichneten. Der Neubau der Eibergbahn war schon seit vielen Jahren geplant, doch erst jetzt ist es gemeinsam mit der Firma Doppelmayr gelungen, die erforderliche Förderleistung mit einer einzigen Sesselbahn zu erreichen und damit an die Leistung der bisherigen parallelen Anlagen anzuknüpfen.
Moderne 8er-Sesselbahn mit Weltrekord
Die neue Eibergbahn der D-Line-Generation spielt „alle Stückerln“. Zur Erleichterung des Einstiegs wurde sie mit einem Förderband ausgestattet. Für bequeme und sichere Beförderung verfügen die Sessel über gepolsterte Einzelsitze, Sitzheizung und verriegelbare Schließbügel mit mittigem Fußraster, um Kinder zuverlässig vor dem Durchrutschen zu schützen. Um die Windempfindlichkeit zu minimieren und angesichts der kurzen Trasse wurde auf Wetterschutzhauben verzichtet.
Die neue 8er-Sesselbahn Eibergbahn hat eine Höchstgeschwindigkeit von 5,0 m/s und kann je nach Bedarf variabel mit 16 bis zu 43 Sesseln betrieben werden. Daraus ergibt sich eine dynamische Förderleistung von 1.700 P/h bis zu den rekordverdächtigen 4.570 P/h. Damit wird ein effizienter und ressourcenschonender Betrieb auch an Tagen mit geringer Betriebsnachfrage gewährleistet.
Mit dem Bau dieser Bahn wurde die Fahrzeit im Vergleich zur alten Bahn halbiert. Die Seilbahntrasse sowie die Stationsstandorte blieben gegenüber den Vorgängerbahnen unverändert, lediglich die Bergstation wurde um 2,5 m höher positioniert, um die Pistenführung zu optimieren. Die 476 m lange Anlage verfügt über acht Stützen, davon drei Niederhaltestützen bei der Talstation.
L-förmige Talstation
Die beiden Stationen sind unterschiedlich ausgeführt – die Stationstechnik der Talstation ist in einem großräumigen Gebäude aus Stahl und Glas untergebracht, während die Bergstation als klassische, offene Station mit einer wartungsfreundlichen hohen D-Line-Verkleidung der Type R1 gebaut wurde. Der starre Brückenantrieb, bestehend aus einem Standard-Drehstrom-Elektromotor mit Getriebe und einer Dauerleistung von 345 kW, befindet sich in der Bergstation. In der Talstation wird das Förderseil gespannt und die Sessel je nach Bedarf beheizt. Die Sesselgaragierung erfolgt teilweise im Stationsumlauf der Talstation (16 Sessel) sowie auf einem in der Talstation angeordneten Abstellgleis (27 Sessel). Die Anlage ist mit der Steuerung Doppelmayr Connect, mit Sesseln des Typs DCD 8 sowie mit Klemmen des Typs D5000 ausgestattet.
Aufgrund der topografischen Lage der Talstation unterhalb des Hanges, die keine Verlängerung der Station in Längsrichtung zuließ, wurde der Stationsumlauf rechtwinklig zur Bahntrasse verlängert, so dass die ganze Station einen L-förmigen Grundriss hat und der Einstieg im 90°-Winkel zur Bahnachse erfolgt. Diese Lösung ermöglicht einen bequemen, sicheren und stressfreien Einstieg. Dank einer 140 kWp-PV-Anlage auf dem Dach der Talstation können zudem im Sinne der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz rund 50 % des jährlichen Energiebedarfs erzeugt werden.
Die Bauzeit betrug vier Monate, und die Gesamtkosten beliefen sich auf 15 Mio. Euro. Die abgebauten fixgeklemmten 4er-Sesselbahnen waren in gutem technischem Zustand und wurden nach Übersee verkauft; nach den verfügbaren Informationen wurden sie jedoch noch nicht wieder aufgestellt.
