Nicht nur die Vorteile urbaner Seilbahnen sollen erfasst werden, sondern auch mögliche Herausforderungen für die Bevölkerung. | © POLI.TO
Der Seilbahnhersteller LEITNER untersucht gemeinsam mit dem Politecnico di Torino die Auswirkungen urbaner Seilbahnsysteme auf Mobilität und Stadtentwicklung. Das auf ein Jahr angelegte Forschungsprojekt läuft seit September 2026 und konzentriert sich auf den Stadtbezirk Iztapalapa in Mexiko-Stadt.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Seilbahninfrastruktur auf den Alltag der Bevölkerung auswirkt. Neben möglichen Verkürzungen der Reisezeiten werden auch das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste, die lokale Wirtschaft und die Akzeptanz der Verkehrssysteme untersucht.
Auswirkungen auf Mobilität und Lebensqualität
Die erste Projektphase begann bereits Ende August mit Untersuchungen vor Ort. Beteiligt sind Studierende des Masterstudiengangs Systemic Design am Politecnico di Torino, Forschende der Hochschule sowie Vertreter der mexikanischen Universitäten Anáhuac und UAM.
Gemeinsam mit lokalen Interessengruppen erheben sie Daten und analysieren die Auswirkungen der bestehenden Verkehrsinfrastruktur. Dabei sollen nicht nur die Vorteile urbaner Seilbahnen erfasst, sondern auch mögliche Herausforderungen für die Bevölkerung in den betroffenen Stadtteilen identifiziert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Beteiligung der Anwohnenden. Aus den Untersuchungsergebnissen sollen Leitlinien für sogenannte Co-Design-Prozesse entstehen, bei denen lokale Gemeinschaften stärker in die Planung und Gestaltung künftiger Infrastrukturprojekte eingebunden werden.
Damit geht die Untersuchung über klassische verkehrstechnische Kennzahlen hinaus. Sie soll auch Erkenntnisse darüber liefern, unter welchen Voraussetzungen urbane Seilbahnen zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung von Stadtteilen beitragen können.
Cablebús-Linie 4 als weiteres Großprojekt
Parallel zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit baut LEITNER seine Präsenz im urbanen Seilbahnverkehr von Mexiko-Stadt aus. Mit der Cablebús-Linie 4 entsteht derzeit eine weitere Verbindung, die künftig eine Strecke von rund elf Kilometern erschließen soll.
Die Anlage umfasst neun Stationen und 390 Kabinen. Nach den Projektangaben soll sich die Fahrzeit für viele Pendlerinnen und Pendler von bislang rund zwei Stunden auf etwa 40 Minuten reduzieren.
Die Bedeutung des Infrastrukturprojekts für die mexikanische Hauptstadt wurde zuletzt auch durch einen Baustellenbesuch der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum an der Station „Universidad“ hervorgehoben.
Während die neue Cablebús-Linie auf eine Verbesserung der Verkehrsverbindungen abzielt, soll das Forschungsprojekt in Iztapalapa zusätzliche Erkenntnisse über die längerfristigen Auswirkungen solcher Anlagen liefern. Die Ergebnisse könnten damit auch für die Planung künftiger urbaner Seilbahnsysteme über Mexiko hinaus relevant werden.
