Erstmals wird eine Pendelbahn mit DirectDrive-Antrieb ausgestattet. | © LEITNER
Zwischen Bozen und Jenesien entsteht eine neue Seilbahnverbindung. Mit der Vertragsunterzeichnung Ende Dezember 2025 hat die Südtiroler Transportstrukturen AG (STA) den Bau der Anlage an eine Bietergemeinschaft aus LEITNER, Unionbau und Elpo vergeben. Die Inbetriebnahme der Pendelbahn ist für 2027 vorgesehen.
Die neue Verbindung soll die Landeshauptstadt Südtirols in etwas mehr als sechs Minuten Fahrzeit mit dem Hochplateau von Jenesien verbinden. Zwei Kabinen mit jeweils 45 Plätzen verkehren im 10-Minuten-Takt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 12 Metern pro Sekunde. Die Förderleistung liegt zwischen 270 und 350 Personen pro Stunde.
Erste Pendelbahn weltweit mit DirectDrive
Technisch setzt das Projekt auf eine Premiere: Erstmals wird eine Pendelbahn mit DirectDrive-Antrieb ausgestattet. Der getriebelose Antrieb ist bislang vor allem aus kuppelbaren Anlagen und Standseilbahnen bekannt.
Durch den Verzicht auf ein Getriebe sollen sowohl der Wartungsaufwand als auch der Verschleiß reduziert werden. Gleichzeitig verspricht sich der Betreiber einen energieeffizienteren und deutlich leiseren Betrieb.
Zusätzlich wird der Antriebsraum mit schallabsorbierenden Elementen ausgestattet, um die Geräuschentwicklung weiter zu reduzieren – ein wichtiger Aspekt, da Teile der Strecke über Wohngebiete führen.
Anpassungen bei Trasse und Stationen
Im Zuge der Planung wurde die Trasse im oberen Abschnitt leicht verändert. Dadurch kann auf die ursprünglich vorgesehene Mittelstation verzichtet werden. Auch die Talstation wird geringfügig versetzt und näher an die Straße verlegt.
Für die Betriebssicherheit sieht das Projekt mehrere redundante Systeme vor. Neben dem Hauptantrieb stehen zwei voneinander unabhängige Notantriebe zur Verfügung, um im Störfall eine sichere Evakuierung der Fahrgäste zu ermöglichen.
Neue Kabinentechnik und Panoramadesign
Auch bei den Kabinen sind technische Neuerungen vorgesehen. Die geplanten Panoramakabinen besitzen einen Verglasungsanteil von über 80 Prozent. Eine programmierbare Polarisierung erlaubt es, die Verglasung bei Bedarf automatisch zu verdunkeln – etwa beim Überfahren von Wohngebieten.
Die Kabinen sind zudem modular konzipiert und können neben dem Personentransport auch für Fahrräder oder andere Transportbedürfnisse angepasst werden.
Eine weitere Innovation betrifft das Laufwerk: Teile werden aus dem Vollen gefräst, um sicherheitsrelevante Schweißnähte zu vermeiden. Zusätzlich kommen erstmals Rollengeneratoren zum Einsatz, die während der Fahrt Strom erzeugen und damit die Energieversorgung der Kabinen unterstützen.
Baubeginn noch 2026 geplant
Nach Abschluss der Detailplanung soll der Bau der Anlage in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 beginnen. Mit der neuen Pendelbahn entsteht eine schnelle Verbindung zwischen dem Ballungsraum Bozen und dem Hochplateau von Jenesien – zugleich gilt das Projekt als technologischer Testfall für neue Antriebskonzepte im Seilbahnbau.
